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Jordanien/Jordan/ ‏الأُرْدُنّ‎ al-Urdunn

 

Sabah el khair“ – „Sabah el noor” (Dein Tag sei licht)! Mit diesem freundlichen Morgengruß unseres Reiseführers Abdullah wurden wir allmorgendlich bei unserer Erkundungsreise durch das Haschemitische Königreich Jordanien – so der offizielle Name – begrüßt. Und, um es gleich vorwegzunehmen, so hell und licht wie dieser Gruß, sind auch im Rückblick unsere Erinnerungen an dieses Land im Vorderen Orient - trotz aller sozialen, ökonomischen und ökologischen Probleme, die wir ebenfall kennenlernten und mit denen wir uns seitdem intensiv auseinander setzen.

 Doch zurück zum Anfang: In 4 ½ Stunden brachte uns der Airbus A 320 der Royal Jordanian direkt vom kalten, nassen Frankfurt ins warme, sonnige Amman. Und damit begann unsere Erstbegegnung mit dem Orient! Ruhige und freundliche Einwanderungsbeamte fertigten uns im neuen, architektonisch sehr reizvollen  „Queen Alia Airport“ rasch und ohne Komplikationen ab und stempelten das Einreisevisum in die Pässe. Und dann, nach einer Nacht im Hotel, begann am nächsten Morgen unsere Entdeckungsreise durch das Land hinter dem Jordan.

 

Jordanien ist ein faszinierendes Land, in dem die Spuren der ältesten Kulturvölker zu entdecken sind. Amman, die Hauptstadt, zeigt sich als quirlige Hauptstadt. Auf historischem Grund erbaut, wuchs die Stadt von etwa 3000 Menschen um 1900, auf ca. 30000 um 1948 zur heutigen pulsierenden Metropole mit über 3 ½ Mio Einwohnern.

Da wir nur wenig Zeit in Amman verbringen konnten, konzentrierten wir uns auf die historische Seite der Stadt - das archäologische Museum auf dem Zitadellenhügel und das „Jordan-Museum", das neue Nationalmuseum.

Tief beeindruckt waren wir von den „Ain Ghazal" Statuen in beiden Museen. Sie stammen aus dem Neolithikum, sind also etwa 8 - 10000 Jahre alt und zählen zu den ältesten Statuen der Menschheit. Ein weiterer Höhepunkt sind sicher auch die Schriftrollen von Qumran. Im Museum führt ein sehr gut gemachter Film in die abenteuerliche Geschichte des Fundes ein - und dann steht man selbst vor diesen alten Zeugnissen religiösen Lebens. Wir sind sehr ergriffen und ein leichtes Schauern überfällt uns bei ihrem Anblick.

Aber das Staunen sollte so schnell kein Ende nehmen. Gadara, heute Umm Qais, ganz im Norden  an der Grenze zu Israel und Syrien gelegen, bot uns einen schönen Blick auf den See Genezareth und die Golan-Höhen. Hier ist das Gleichnis aus dem Neuen Testament angesiedelt, in dem Jesus einen Besessenen heilte und die bösen Geister in eine Schweineherde fahren ließ. Wir gehen den historischen Befunden nach und erforschen aus der byzantinischen Zeit die Säulen eines oktogonalen Gotteshauses und ein römisches Theater für 9000 Besucher.

Nicht weit entfernt liegt Jerash, in römischer Zeit Gerasa. Unter Alexander dem Großen wurde sie eine der zehn Städte der Dekapolis und fasziniert durch seine Ausdehnung, die mit dem Forum Romanum in der italienischen Hauptstadt mithalten kann. Säulenstraßen, das Hadrianstor, ein Herkulestempel und der Artemistempel lassen die Antike lebendig werden.

In Madaba schauten wir in der Georgskirche die weltweit älteste Mosaiklandkarte an, die ursprünglich aus zwei Millionen Teilen bestand und das Heilige Land zeigte. Später sehen wir in einem Sozialprojekt, wie auch heute noch die Kunst der Mosaiken gepflegt wird.

Über den Berg Nebo, von dem aus angeblich Moses ins gelobte Land schaute, gelangten wir ans Tote Meer und nutzen natürlich die Gelegenheit, uns korkenartig ins – nein! auf das Wasser zu legen. Ein seltsames Gefühl!

Später begegneten wir dem Jordan. In unseren Vorstellungen ein stattlicher Fluss, entpuppte er sich als ein kleines Bächlein. Die Stelle, an der Johannes taufte, ist archäologisch gesichert und so standen wir bald an der Taufstelle Jesu. Auf israelischer Seite nutzen christliche Pilger den Jordan zu einem nachempfundenen Taufakt. Auf jordanischer Seite stehen Bauten aller möglichen christlichen Kirchen, denn durch ein königliches Dekret, bekommt jede christliche Glaubensrichtung neben der Baugenehmigung auch noch einen Bauplatz. Für uns überraschend war die große religiöse Toleranz für das Christentum und jüdische Einrichtungen in Jordanien; als Vorgängerreligionen des Islam stehen beide unter dem besonderen Schutz der Verfassung und so gibt es allein in Amman über 60 christliche Kirchen.

Dann ging es in Richtung Süden nach Petra ins Zentrum des einstigen Reiches der Nabatäer. Durch den 1,2 km langen Siq – eine Schlucht von manchmal nur zwei Metern Breite umgeben von Felswänden, die bis zu 80 m hoch aufragen - gelangen wir direkt auf das Khazne al-Firaun (dt. Schatzhaus) zu. Weitere 800 überaus eindrucksvolle Grabfassaden und Überreste von Tempeln und Opferplätzen zeigten sich dann. Zwei Tage verbrachten wir an diesem Platz, der sicher zu Recht UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Dann ging es in die Wüste - das heißt, in ein Gebiet, das unseren Vorstellungen von Wüstenlandschaft nahekam – dem Wadi Rum. Mit Beduinen unternahmen wir eine ausgedehnte Fahrt durch diese einzigartige Landschaft im offenen Geländewagen.

Aber nun genug der Worte! Folgen Sie uns für eine halbe Stunde ins Haschemitische Königreich Jordanien mit unserem Film. 

 

 

Hier der Link zum besprochenen Trailer: http://vimeo.com/67419751

 
Falls Ihnen dieser Film gefallen hat, werden Sie vielleicht auch unsere anderen Reisevideos mögen. Klicken Sie bitte einfach auf die Schaltfläche rechts und wählen dann Ihr Wunschland.

Einen besonderen Dank möchten wir an dieser Stelle  aussprechen: an unseren Tourguide Abdalla Yousef, Herrn Pfändner von moneypenny tours und Michael Ladwein (Reiseveranstalter), dem archäologischen Museum Amman und dem Jordan Museum in Amman für die Film- und Fotoerlaubnis .

 

Was man über Jordanien wissen sollte

  • Anreise: Die großen europäischen Fluggesellschaften Lufthansa, KLM, Air France und Austrian Airlines bieten tägliche Linienflüge zum hochmodernen Queen Alia International Airport in Amman an. Die jordanische Fluglinie Royal Jordanian Airlines fliegt u.a. von Berlin, München, Frankfurt, Wien, Genf und Zürich nach Amman. Die Flugzeit beträgt etwa vier Stunden.
  • Einreise/Visumbestimmungen: Zur Einreise benötigt einen Reisepass, der noch mindestens ein halbes Jahr gültig ist sowie ein Visum. Das Visum wird in den jordanischen Botschaften, am Flughafen in Amman oder an alles Grenzübergängen ausgestellt. Die Kosten für ein einfaches Einreisevisum beträgt für Besucher aller Nationalitäten 40 JD (ca. 40.68 €) und für die mehrfache Einreise 120 JD (ca. 125.18 €). Kinder unter 15 Jahren benötigen einen Kinderausweis mit Bild oder müssen im Pass der Eltern eingetragen sein. Übrigens: Anders als in vielen anderen arabischen Staaten ist  ein israelischer Visumseintrag im Pass kein Hinderungsgrund für eine Einreise nach Jordanien.
  • Geld: Die Landeswährung ist der Jordanische Dinar (JD); er ist in 1000 Fils unterteilt. Für Devisen gibt es keine Ein- oder Ausfuhrbeschränkungen. Die Einfuhr von Jordanischen Dinar über einem Wert von 50 Euro ist verboten. Für einen Kurzurlaub empfiehlt es sich, am Flughafen in Amman Euro in Bargeld umzutauschen; dort werden EC-Karten problemlos in Bankautomaten angenommen. Im Land ist die Akzeptanz von Bank zu Bank unterschiedlich. Gängige Kreditkarten (Visa, Mastercard, American Express, Diners Club) werden in den meisten größeren Hotels, Mietwagenagenturen, in gehobenen Restaurants in den Touristenattraktionen und in der Hauptstadt akzeptiert.
  • Unterkunft: Hotels in allen Kategorien findet man in der Hauptstadt und in den Touristenattraktionen; außerhalb dieser Orte ist das Angebot eher dürftig. Camping ist in Jordanien eher unüblich.
  • Sprache: Landessprache ist arabisch, mit Englisch kann man sich meist problemlos verständigen. Verkehrsschilder sind häufig zweisprachig.
  • Informationen: Viele, sehr gut aufbereitete Informationen gibt es beim Jordan Tourist Board auch auf Deutsch (http://de.visitjordan.com ); zu empfehlen ist es, die Reiseinformationen des Auswärtigen Amtes  (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/JordanienSicherheit.html ) zu beachten.  Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Syrien wird vor Reisen in das Grenzgebiet im Norden dringend abgeraten.
  • Gesundheit: Jordanien hat einen hohen Standard in der medizinischen Versorgung erreicht. Viele Ärzte haben ihre Ausbildung in Europa oder in den USA absolviert und sprechen deshalb gut Englisch. Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte diese jedoch mitbringen. Achtung: Jede medizinische Behandlung muss bar bezahlt werden, europäische Krankenscheine werden nicht akzeptiert; deshalb unbedingt eine Reisekrankenversicherung abschließen!
  • Essen und Trinken: Die arabische Küche ist sehr vielfältig und wohlschmeckend. Besonders gehaltvoll sind die Vor- und Nachspeisen. Oft werden in Restaurants sehr reichhaltige Buffets angeboten. Zum Essen trinkt man in der Regel Wasser; in Restaurants stehen häufig die Mineralwasserflaschen auf dem Tisch. Vorsicht ist bei Leitungswasser und bei Eiswürfeln geboten! Ein besonderer Genuss ist der Kaffee: Hier sollte man unbedingt arabischen, türkischen und Beduinenkaffee (mit reichlich Kardamom versetzt) probieren. Pfefferminztee gibt es häufig; am besten schmeckt er bei Beduinen. Obwohl Alkohol für gläubige Muslime untersagt ist, kann man in fast allen Hotels und Restaurants auch alkoholische Getränke bekommen; Bierliebhaber bekommen sogar „Amstel-Beer made in Jordan“.
  • Knigge: Jordanien ist ein sehr gastfreundliches Land. In vielen Dingen ist es stark an Westeuropa und den USA orientiert. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass man in ein muslimisch geprägtes Land reist: Frauen sollten Miniröcke, tief dekolletierte Oberteile vermeiden; Männer in kurzen Hosen werden in arabischen Ländern als lächerlich empfunden. Für Moscheen (nicht alle stehen für Christen offen) müssen die dort geltenden Regeln beachtet werden! Jordanien ist auch für allein reisende Frauen kein Problem; aber Frau sollte auf entsprechende Kleidung und ein höflich-distanziertes Verhalten achten. Lockeres Benehmen kann leicht missverstanden werden.
  • Buchtipps: Sehr empfehlenswert ist der Baedeker Reiseführer Jordanien mit sehr ausführlichen Informationen. Für Kunstinteressierte ist der Dumont Kunst-Reiseführer von Frank Rainer Scheck empfehlenswert. Der kleine Marco Polo Reiseführer Jordanien ist gut als Immer-dabei-Lektüre.
  • Attraktionen: Unbedingt besuchen sollte man Petra, Jerash, das Nationalmuseum in Amman, das Wadi Rum und die Wüstenschlösser.

 

Und nun noch zwei Literaturtipps:

Jenseits aller Polemik eine Schilderung aus der Sicht einer Frau.  die in Palästina geboren wurde, später in die USA auswanderte. Henning Mankell äußerte sich dazu: "Nie zuvor habe ich einen so packenden Roman über Palästina und Israel gelesen.":

Susan Abulhawa: Während die Welt schlief, 442 Seiten (Diana Verlag 2011)

Zum anderen die Schilderung des Präsidenten der arabischen Al-Aksa-Universität in Jerusalem, dessen Familie seit 1300 Jahren dort lebt, über sein Leben im Spannungsfeld des Nahen Ostens:

Sari Nusseibeh: Es war einmal ein Land. Ein Leben in Palästina. 5. Aufl. (2009)

Der palästinensische Hochschullehrer und PLO-Diplomat Sari Nusseibeh, der im arabischen Teil Jerusalems aufwuchs, keine fünfzig Meter entfernt von dem Schriftsteller Amos Oz, in England studierte und nach dem Sechs-Tage-Krieg nach Hause zurückkehrte, ist ein Pendler zwischen den verfeindeten Seiten. In seiner Autobiographie erzählt er seine eigene Geschichte und die seines Volkes – und entwirft die Vision eines Landes, in dem Muslime, Juden und Christen harmonisch zusammenleben. „Ein feinsinniges, trauriges und humorvolles Erinnerungsbuch, das neues Licht auf die Tragödie des Israel-Palästina-Konflikts wirft, zugleich ein lebendiges Bild der palästinensischen Gesellschaft.“ Amos Oz